Wirtschaftliche Alternativen

blickviamagdeburg

Wie könnte es weitergehen in Sachsen Anhalt?

Wir haben etliche Probleme. Wir haben viele Berufspendler. Wir haben viele Rentner. Wir haben einen „Brain Drain“. Wir haben zu wenig Industrie. Uns geht das Geld aus. Als Ausweg wird zuweilen gesehen, dass das Wirtschaften wieder regionalisiert wird. Als Ausweg wird ebenso propagiert, daß es wieder mehr öffentliche Investitionen geben muß.

Die beiden offensichtlichsten Auswege führen in dem Kontext in dem wir leben umgehend zu Problemen. Sie führen zu Ergebnissen die nicht mit geltendem Recht (Bundes- wie EU-Recht) in Einklang zu bringen sind. Der Kontext ist, dass – bleiben wir in Sachsen Anhalt – wir jeden Anbieter einer Leistung – demnächst auch klassische Dienstleistungen – aus dem gesamten europäischen Raum berücksichtigen müssen. Aus den anderen 15 Bundesländern sowieso. Regionales Wirtschaften bedeutet, dass eine Region in erster Linie mit den zur Verfügung stehenden Resourcen sich selbst versorgt. Die Region exportiert Überschüsse, die lokal nicht zu verbrauchen sind. Sie importiert mit den Erlösen Waren, die lokal nicht sinnvoll zu produzieren sind.

Nach gegenwärtigem Stand der Dinge müssen wir festhalten, daß Sachsen Anhalt ein Agrarland ist. Seine Bodenschätze wurden in den letzten Jahrhunderten praktisch vollständig ausgebeutet. Es ist lediglich ein nicht allzu üppiger Rest Salz vorhanden. Damit kann konstatiert werden, daß eine Rohstoffe verarbeitende Industrie hier keine Chance hat. Daran schließt sich direkt auch die Weiterverarbeitung von Halbzeugen an. Da keine Rohstoffe mehr vorhanden sind und diese nicht verarbeitet werden können, müssen diese folgerichtig importiert werden. Sachsen Anhalt hat mithin keine ohne Weiteres nutzbare Möglichkeit industrielle Güter zu produzieren und zu exportieren.

Eine im großen Maßstab vorhandene Resource sind landwirtschaftliche Flächen. Diese werden heute sehr effektiv genutzt. Es existiert eine nicht kleine Anzahl großer landwirtschaftlicher Betriebe. Teile davon werden direkt im Land weiter verarbeitet. Andere Teile werden exportiert. Hiermit stehen wir allerdings auch im direkten Wettbewerb praktisch zur ganzen Welt.

Es sind zwei Stichworte gefallen: Effizienz und Wettbewerb. Effizienz in der Wirtschaft bedeutet, daß möglichst viel Ausstoß mit möglichst wenigen Kosten und Personal erzielt wird. Damit haben wir ein gesellschaftliches und ein wirtschaftliches Problem. Effizienzsteigerungen gehen grundsätzlich nicht damit einher, daß das Produkt in größerem Umfang zu vermarkten ist. Also ein vermehrter Bedarf für das Produkt besteht. Es gibt zwischen der Möglichkeit effizienter zu produzieren und der Fähigkeit die Produkte abzusetzen keinen Zusammenhang. Es wird also in der Regel eher darauf hinaus laufen, daß die Effizienzsteigerung des Produktionsausstoß nicht nenneswert erhöht, dafür aber die Kosten senkt. Daraus folgt wiederum, daß das freigesetzte Personal dauerhaft nicht mehr für die Mehrwertschöpfung erforderlich ist. Es entsteht Arbeitslosigkeit. Genau genommen die so genannte strukturelle Arbeitslosigkeit.

Soll diese vermieden werden, muß das freigesetzte Personal in der Herstellung eines völlig neuen Produktes eingesetzt werden. Alternativ kann man die Menschen selbst „exportieren“ was in der Geschichte durchaus nicht selten vorkam. Der Gedanke an neue Produkte ist angenehmer, deswegen bleibe ich bei ihm. Die Herstellung eines völlig neuen Produktes kostet Geld. Das Produkt muß entwickelt werden. Es müssen die Produktionsmittel beschafft werden. Es muß für eine adäquate Infrastruktur gesorgt werden. Darüber hinaus steht keineswegs fest, daß das neue Produkt auch Abnehmer finden wird. Das einzige was Sachsen Anhalt bei dieser Aufzählung vorweisen kann sind die Kreativen, die ein neues Produkt entwickeln. Alles andere muß das Land importieren. Wir haben hier also das Problem, daß wir Kosten haben die aus der „Vorhaltung“ der Kreativen herrühren wie auch welche für die Investition selbst. Und genau hier entsteht ein sehr verwickelter Kreislauf.

Ich hatte als zweites Stichwort den Wettbewerb genannt. Hier wäre zu überlegen in welchen Bereichen Wettbewerb überhaupt einen Sinn ergibt. Praktisch betrachtet: Nahezu nirgends. Eine Infrastruktur ist nur einmal vorhanden. Will man diese dem Wettbewerb aussetzen, müßte man beispielsweise so viele Straßen parallel nebeneinander bauen, wie es Anbieter gibt. Da das aber völlig unsinnig ist, ist jeder Anbieter auf der von ihm gebauten Straße ein Monopolist. Und Monopole lassen schon per Definition keinen Wettbewerb zu. Die gleiche Logik kann man auch auf ein x-beliebiges Produkt anwenden. Wenn mehrere Hersteller ein und das selbe Produkt produzieren, sie das in einer ähnlichen Qualität tun – was nicht selten ist – und miteinander im Wettbewerb stehen, können sie das nur über den Absatz austragen. Das wiederum findet praktisch über den Preis statt und endet bei Dumping und Monopolisierung – gern als Marktkonsolidierung verbrämt. Wettbewerb macht bei Licht betrachtet nur an einer einzigen Stelle wirklich Sinn: bei den Kreativen.

Damit komme ich zurück zu Sachsen Anhalt. Eines unserer Probleme ist die Abwanderung der Kreativen. Der „Brain Drain“. Uns fehlt das Geld um diese „Infrastruktur“ vorzuhalten. Dadurch entsteht ein Kreislauf der letztendlich dazu führt, daß es keinen Wettbewerb mehr geben kann, weil schlicht die Wettbewerber fehlen. Die Landwirtschaft wird dominiert durch große Unternehmen. Diese binden naturgemäß nur wenig Personal. Der größte Teil ist – wenn überhaupt weil bei konventionell produzierten Feldfrüchten nicht notwendig – als Saison-Kraft beschäftigt. Der Handel hat wenig Chancen, weil bei den privaten Haushalten nur wenige Freiräume zum Konsum bestehen. Genau das gleiche gilt auch für die öffentlichen Haushalte und dabei in der Investitionsfähigkeit. Von deren Konsum ganz zu schweigen. Die Industrieproduktion wird sich wegen der überbordenden, notwendigen Logistik auch nicht auf ein eigentlich notwendiges Maß steigern lassen.

Was bleibt unserem Land nach dieser düsteren Analyse? Eigentlich eine ganze Menge! Nur müßte dann unsere so genannte Regierung – eher ein unfähiger Nachlaßverwalter – anders handeln. Erstens müßten die Hochschulen – die ja vom Bund finanziert werden – sehr viel attraktiver werden. Dazu könnte man den unseeligen Bachelor-Abschluß ad acta legen und die alten, sehr freizügig gestaltbaren Diplom- und Magister-Abschlüsse wieder einführen. Das wäre Sache der Unis selbst für die das Land werben kann. Die TU Dresden macht es vor. Das Land hat ansonsten in jeder Beziehung die Finger von der Hochschulautonomie zu lassen Herr Möllring! Geben sie den Hochschulen lieber extra Geld, damit sie mehr unabhängig forschen können anstatt Auftragsforschung nachgehen zu müssen! Dann blieben auch mehr Kreative hier.

Der zweite Lösungsansatz wäre dafür zu sorgen, daß Landwirte in den Möglichkeiten beschnitten werden ihre Vorprodukte zu „exportieren“. Umgekehrt Handelsketten diese zu „importieren“. Nur eine Idee, weil die Umweltgesetzgebung Ländersache ist: Dürften Schweine nicht mehr bis ans Ende der Welt gekarrt werden, könnten hier beispielsweise wieder mehr kleine Schlachthöfe angesiedelt werden. Das könnte auf der Basis einer einzigen Regel geschehen: Lebend-Tier-Transporte nicht weiter als 20km. Für Kühltransporte wird eine ähnliche Regel aufgestellt. Wer dann „hier“ verkaufen will, muß eben auch „hier“ produzieren! Ja das ist Protektionismus. Ja den will heute kein Offizieller und schon garnicht die weniger öffentlichen Anhänger des Neoliberalismus mehr. Aber wenn den niemand will, sollte er sich auch nicht darüber beklagen, daß die Wirtschaft völlig aus dem Ruder läuft. Der Protektionismus hat über tausende Jahre funktioniert. Der Freihandel hat es in 30 Jahren geschafft sein Versagen zu beweisen. Einschließlich der Tatsache, daß der Freihandel nicht dazu führt die Zahl der bewaffneten Konflikte zu verringern. Im Gegenteil!

Zu guter Letzt möchte ich auf kleine Betriebsgrößen zurück kommen. Es ist ein Ammenmärchen, daß große Unternehmen innovativer seien. Sie schaffen einzig einen höheren Produktionsausstoß. Sie generieren kürzere Produktzyklen und geringere Nachhaltigkeit wegen hohen Vertriebsdruckes. Sie „produzieren“ Personaleinsparungen insbesondere in der Verwaltung. Insgesamt betrachtet also nicht wirklich viel Positives. Man kann nicht mal sagen, daß große Unternehmen bei der Realisierung großer Projekte notwendig sind. Das geht auch mit mehreren kleinen Unternehmen. Dann bräuchte man einen externen Koordinationsstab mit Bauleitern etc. Gut! Auch das schafft Arbeitsplätze. Das schafft Raum für kleine, wachstumsfähige, regionale Unternehmen. Und genau das muß das Ziel sein. Sachsen Anhalter mit Arbeitsplätzen in Sachsen Anhalt zu halten.

5 commenti su “Wirtschaftliche Alternativen

  1. Genau das macht mMn Sinn. Dazu wäre aber Geld und ein völliger Umbau der bürokratischen Gepflogenheiten notwendig.

    Beispielsweise KfW-Kredie zu kleinen Zinsen. Die haben sie zwar immer aber bei der aktuellen Lage wird es noch besser. Es ist jedoch unmöglch für einen „Habenichts“ da ran zu kommen. Es werden Umsatzprognosen etc. verlangt die praktischgesehen wertlos sind. Wer hat schon eine „funktionierende“ Kristallkugel? Einfach und schlicht Risikokapital – was zur Not beim Scheitern abgeschrieben statt eingetrieben wird – und eine wrklich anständige Begleitung des Jungunternehmers.

    Die andere Seite der Medaille ist die, daß Unternehmungen deren Gründer ein bischen Glück (wozu natürlich auch gewisse Fähgkeiten gehören!) hatten peu a pue wachsen. So ist es beispielsweise hier unmöglich in die Landwirtschaft quer einzusteigen, weil schlicht Flächen fehlen. Die noch Vorhandenen müßten umgewidmet werden. Ein Vorhaben das stark an „Das Haus Das Verrückte macht“ aus einem Asterix-Comic erinnert. Handwerkliche Kleingewerbe sind ebenso bürokratisch in die Wege zu leiten. Zwischen dem Unternehmer und dem Unternehmen steht gewöhnlich der Meisterzwang.

    Ferner wäre es nicht selten sinnvoll irgendwelchen obskuren Erbengemeinschaften einfach die Pistole auf die Brust zu setzen: „Investiert oder verkauft zum aktuellen, marktüblichen Preis!“ Letzere liegen am Boden. Aber wenn Objekte über jahre verfallen steigt der Wert nicht. Dafür werden andere Aktivitäten blockiert.

    Die Bürokratie mag noch beherrschbar sein. Was definitiv fehlt ist Geld. Es fehlt den „kleinen Leuten“. Übrigens ebenso wie den Kommunen selbst, die kaum noch ihre Pflichtaufgaben erfüllen können. Alternativ ein wirklich funktionierendes Sozialwesen. „Was brachst’en? Hab ich, pumpe ich Dir. Heil wieder sehen macht Freude!“ Gibt es aber nicht wirklich flächendeckend. Oder die heute oft alten Leute haben die brauchbaren Sachen längst verkauft.

  2. Somit stellt sich eine weitere Frage: Macht es nicht Sinn, das Augenmerk weniger auf die Ansiedlung „großer“ Investoren zu legen, sondern vielmehr das Kleingewerbe im ländlichen Raume zu stützen? Hier stehen Zehntausende von Handänderungen auf Immobilien bevor. Eine weiterhin vorhandene Grundinfrastruktur vorausgesetzt, werden diese Objekte nach und nach wieder belegt, umgebaut. Indem dies durch regionale Anbieter geschieht, dreht das Geld in kleinen Kreisläufen, also im Lande. Für Sachsen-Anhalt wäre eine Fokussierung auf diese Thematik ein erheblicher wirtschaftlicher Faktor.

    • Meiner Meinung nach muss weiterhin versucht werden, Großinvestoren nach LSA zu locken.Wenn sich z.b. in Sangerhausen endlich, sagen wir mal ein produzierendes Gewerbe ansiedeln würde wo nur 1000 Arbeitsplätze geschaffen würden, hätte das einen positiven Effekt für die Region und vielen Familien.
      Selbst wenn man täglich 35 km zu seinem Arbeitsplatz pendeln muss würde sich das lohnen.
      Richtig ist, dass man auf den Dörfern neue Strukturen der Versorgung schaffen muss.Kleinere Versorger müssen, bezahlbar für die Bevölkerung die Aufgaben der Discounter übernehmen.

      • Richtig! Investoren brauchen wir und keine Unternehmen, die auf Subventionen, Billigkredite der Ib und Steuervergünstigen scharf sind und am Ende mal 26 Arbeitsplätze oder von mir aus auch 300 schaffen, bei denen die Mitarbeiter gerade mal den Mindestlohn zu erwarten haben.

        • Es muss sich auch für Unernehmen lohnen nach Sachsen-Anhalt zu kommen.Das sollte für alle, Bürger Politik und Unternehmen eine Win-Win Situaion sein. Von seiner Arbeit muss man ohne weitere Hilfe vom Staat leben können.Das muss gesetzlich festgeschrieben werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*