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Stützung des ländlichen Raumes (3): SPAR – der Nahversorger

SPARIn diesem dritten Beitrag zum Thema Stützung des ländlichen Raumes in Österreich wird das Modell Nahversorgung am Beispiel der Spar-Märkte beschrieben. Es lohnt sich, die Eckwerte, nach denen solche Märkte geplant werden, mit den entsprechenden Vorgaben in Sachsen-Anhalt zu vergleichen. Da tauchen Fragen an die Regional- und Landespolitik auf. Neben Arbeitsplätzen sind familienfreundliche Strukturen (dazu gehören Bildungseinrichtungen und Nahversorgung) die wesentlichen Schlüssel, ländliche Lebensräume zu erhalten und zu entwickeln.

Die Spar-Gruppe in Österreich

Für Interessierte das Firmenportrait, auf welches ich nicht weiter eingehen möchte. Viel wichtiger ist folgende Momentaufnahme: Neu-Eröffnung Spar-Markt in Krumbach, Voralberg

Ein Lebensmittel-Markt auf 300m2 Fläche  in der Gemeinde Krumbach (900 Einwohner) Hier weitere Infos zur Gemeinde.

Das Konzept:

Das Grundsortiment wird von der Spar-Gruppe angeliefert. Im Weiteren gibt es jedoch Sortimentsbereiche  mit Produkten regionaler oder ortsansässiger Bäcker, Fleischer, Gemüse- und Obstproduzenten, welches der Besitzer der Filiale selbst auswählen und bestimmen kann, was natürlich wieder Auswirkungen auf Arbeitsplätze und Einkommen in der unmittelbaren Region hat.

Dieses Ladenkonzept findet sich in vielen Landgemeinden Österreichs. Es scheint sich für alle Beteiligten zu rechnen.

Blick nach Sachsen-Anhalt:

SPAR gab es ja auch in Deutschland und wurde dann an EDEKA verkauft. Da findet man verschiedene Marktformate, wobei vor allem die Linie NP interessant sein könnte.

Offensichtlich ist jedoch die Diskrepanz zwischen Selbstdarstellung und dem Anforderungsprofil an mögliche neue Standorte. Alles eine Nummer zu groß für das, was wir ländlichen Raum und nachhaltige Stützung nennen würden. Für Interessierte: Dabei zeigt eine Studie von EDEKA, dass eigentlich genau diese kleinen ortsnahen Märkte einem ganz klaren Bedürfnis entsprechen würden. Da diese im ländlichen Raume jedoch untervertreten sind, führt dies zu einer Umschichtung der Umsatzzahlen auf mittlere Discounter und Supermärkte, eigentlich gegen den Willen der Konsumenten.

Geiz ist geil = Die Zeche bezahlt der Kunde

Ladengrößen ab 600 m2 und dazugehörigen 3000 m2 Land für Parkplätze als Anforderungsprofil führen unweigerlich zu Geschäftslagen außerhalb der eigentlichen Ortszentren und somit ist der Laden nicht mehr fußläufig zu erreichen. Die Folgen kennen wir: Aussterbende Zentrumslage in Orten mit 10000-20000 Einwohnern. Ladenleerstand ohne Ende. Verlust des Kleinhandels und Gewerbes.

Folglich ist der Kunde gezwungen, 5 bis 15  Kilometer zurückzulegen, um nur schon seine Grundeinkäufe tätigen zu können.. Dort kriegt er dann seinen Wocheneinkauf um 5 Euro preiswerter als Jahre zuvor im örtlichen Lebensmittelgeschäft, welches aber inzwischen genau deswegen geschlossen hat.  Das alles hat also auch viel mit  Kundenbewusstsein zu tun. Billiger kann sich  im Nachhinein als sehr teuer herausstellen.

Wie anders ist doch die eingangs erwähnte Filiale strukturiert.. Man beachte die verschiedenen Angebote über das reine Markt-Geschäft hinaus.

Und noch was: SPAR positioniert sich auch in politischen Fragen..

Landespolitik und Kommunen müssen sich fragen lassen, inwiefern die bisherige Bewilligungspraxis  weiter geführt werden kann, welchen Preis Gewerbe und Kommunen für diese peripheren Einkaufstempel tatsächlich bezahlen und was sie als Gegenleistung (z.B.Steuern) eigentlich dafür kriegen.

Gemeinsam ist unter Einbezug aller Beteiligter zu überlegen, wie man wieder zu einer Nahversorgung im ländlichen Raum kommt, welche diesen Namen auch verdient.

 

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