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Wittenberg: Öffentlicher Nahverkehr – erledigt sich von selbst!

busEin interessantes Beispiel von unreflektierten und in ihren Auswirkungen in keiner Art und Weise überprüften Mittelkürzungen. Ausgangspunkt ist für den Landkreis Wittenberg die Tatsache, dass für den öffentlichen Verkehr rund 1 Mio € weniger zur Verfügung stehen.

Ausgearbeitet wurde ein neues Beförderungskonzept in die Ortsteile. Statt wie früher rund 350 Fahrten/Tag finden nun  noch  höchstens 230 Fahrten statt (höchstens bedeutet, wenn alle Rufbusse in Anspruch genommen werden). Im Bemühen, trotzdem alle Orte zu bedienen, haben sich jedoch Fahrwege, Wartezeiten und Anschlüsse in einem Maße verschlechtert, dass  die Proteste aus allen Ortsteilen und Altersgruppen unüberhörbar sind. Es scheint, dass Menschen nicht mehr zur richtigen Zeit zur Arbeit oder in die Schule kommen, dass sie unzumutbare Wartezeiten an Umsteigestellen haben, dass sie abends nicht mehr nach Hause kommen.

Zwei Fliegen auf einen Schlag!

Bei einer Reduktion der Busfahrten um mehr als 30% müsste man davon ausgehen können, dass die durchschnittliche Auslastung der Fahrzeuge steigt. Aber nein, das Gegenteil ist der Fall: Betrug die durchschnittliche Auslastung im letzten Jahr  noch 2,2 – 2,5 Fahrgäste/Fahrt, so ist sie nach der Umstellung im Januar auf 1,2 Kunden/Fahrt gesunken.  Fassen wir zusammen: Reduktion der Fahrten um über 30% mit dem Ergebnis einer um 50% schlechteren Auslastung der noch verkehrenden Busse. Das ist doch was!

Gute Chancen also, dass in Kürze der Busbetrieb „wegen mangelnder Auslastung“ vollständig eingestellt wird? Scheint so. Wieder ein geglückter Rückzug der öffentlichen Hand aus dem ländlichen Raum.

Ironie aus.

Ein Einzelfall? Nein, mehr in der MZ. „Vetter“ in die Suchmaske eingeben und staunen.