Stützung des ländlichen Raumes (2): Die Raiffeisenbanken

raiffeisenvbDie „ländliche Struktur“ Österreichs, wie sie im ersten Beitrag beschrieben wurde, ist das Ergebnis einer breiten interdisziplinären Zusammenarbeit von Privatwirtschaft und Staat. Letzterer ist in der Lage, Masterpläne zu entwerfen, die Bundesländer können diese inhaltlich füllen, vor allem aber braucht es jedoch die Akteure vor Ort. Sie sind es, welche den Rohbau ausgestalten, überhaupt nutzbar machen. Sie sind diejenigen, welche das wirkliche Risiko tragen, denn letztlich muss das fertige, voll ausgestattete Gebäude auch genutzt werden.  Ich möchte an dieser Stelle zwei Firmen und ihre Geschäftsmodelle vorstellen, ohne welche der ländliche Raum Österreichs wohl anders aussehen würde. Heute:

Raiffeisen Bank Österreich

Soviel zum Überbau. Und nun das, worum es in unserer Thematik geht: Die Präsenz im ländlichen Raum:

Das spannende an diesem Geschäftsmodell  ist das sehr weit gefasste Verständnis von Genossenschaft, auf welchem diese Banken aufbauen:

  • Wer einen Anteilschein der Bank kauft, ist Mitglied, Mitbesitzer und Nutznießer der lokalen Bank-Genossenschaft. Die jährliche Genossenschaftsversammlung (mit Rechenschaftsbericht, einem Nachtessen und meistens auch noch Unterhaltung) ist Eines von vielen Elementen, welches die Verwurzelung und Stellung der Bank im Dorfe deutlich macht.
  • Aktivitätsfeld der Bank ist geographisch mit der Genossenschaft definiert. Das gilt auch für den Einsatz der eigenen Mittel/Kreditvergabe etc. Trotzdem bleibt die Bank Vollanbieter, weil sie auf Dienstleistungsangebote der Landesbank zurückgreifen kann.
  • Regionale Infrastrukturprojekte werden von der Landesbank betreut, wobei da natürlich wiederum der Aspekt „langfristige Standortsicherung“ (auch der einzelnen Genossenschaften) eine Rolle spielt.
  • Ein äußerst kluges Sponsoring von Vereinen, Schulen, Umwelt- und Tourismusprojekten führt zu einer unwahrscheinlichen Präsenz, aber auch einem sehr hohen Identifikationsfaktor vor Ort, in der Region, im Land.

Mikro-Wirtschaftskreisläufe fördern

Vertreter von Großbanken werden monieren, es handle sich hierbei um ein sündhaft teures Geschäftsmodell. Dem kann man allerdings  entgegen halten, dass das Ausfallrisiko, welches bei überregional tätigen Banken ganz schnell in hohe Millionenbeträge gehen kann, bei den Genossenschaftsbanken gering ist,  da die örtlichen Gegebenheiten allen Mitarbeitern vertraut sind.

Genau diese Ortskenntnis ist  der Schlüssel dafür, dass mit wirtschaftlicher Sachkenntnis beraten, Marktlücken entdeckt und mit Unterstützung der Landesbank gefördert werden können. Diese wiederum macht Wirtschafts- und Tourismus-Promoting für ganz Voralberg, sponsert Großanlässe, holt kulturelle Veranstaltungen in die Region usw. Sie fördert also auch Strukturen, welche zu einer Wertschöpfung vor Ort führen.

Wenn man  im Bankendenken von Vollanbieter spricht, so wird das dem Geschäftsmodell Raiffeisen NICHT gerecht. Hier kommt eine zusätzliche Komponente zum Tragen, welche vielerorts verloren gegangen ist. Soziale und gesellschaftliche Verantwortung. Nur wer säät und pflegt, kann ernten. Daran werden die Verantwortlichen anlässlich der Jahresversammlung immer wieder erinnert.

Und jetzt – was machen wir in Sachsen-Anhalt damit?

Wer etwas sucht, der findet. Die Genossenschaftsstruktur ist ja vorhanden. Auf den ersten Blick ist jedoch sichtbar, dass es sich hier NICHT um das in Österreich beschriebene Geschäftsmodell handelt. Hier werden Finanzdienstleistungen in einem definierten Umfeld angeboten. Eine aktive Einflussnahme über das reine Bankgeschäft hinaus ist  nicht zu finden.  Wie das?

raiffeisevb2Das, was in Österreich zu großen Teilen durch die Raiffeisen-Banken der Bundesländer direkt vor Ort geleistet oder unterstützt wird, finden wir bei uns in einer Unmenge von staatlich alimentierten Vermarktungsgesellschaften bis hin zur immer wieder in den Schlagzeilen stehenden Investitionsbank Sachsen-Anhalt, welche gleichzeitig auch noch EU-Service-Agentur ist.

Die Effizienz dieser Struktur muss  hinterfragt werden, denn offensichtlich wirkt diese im ländlichen Raum nicht oder nur unzulänglich. Es fehlen der Realbezug und die Nachhaltigkeit, wie bereits im letzten Beitrag eindrücklich dargelegt werden konnte. Viele weitere Beispiele werden folgen.

Bleibt also die Frage: Was ist effizienter? Die dirigistische Wirtschaftsförderung nach politischen Vorgaben durch halbstaatliche Organisationen oder die Delegation der Förderung in die Regionen und zwar privatwirtschaftlich und die Landesregierung hat nur begleitende Funktion. Damit könnten gerade diese Regionalbanken ihre Sachkompetenz vor Ort zur Entfaltung und zum Tragen bringen, Verantwortung für ihre Region übernehmen, säen und hoffentlich auch ernten.  Das scheint in der jetzigen Konstellation nicht gegeben zu sein.

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