Stützung des ländlichen Raumes (1): Alternativen

walsertal3 In diesem Beitrag wird vorgestellt, wie in Oesterreich ländliche Regionen infrastrukturell gestützt, stabilisiert und weiter entwickelt werden. Es ist völlig klar, dass dahinter eine lange Geschichte steckt und sich dies nicht 1:1 auf Sachsen-Anhalt übertragen lässt. Genau so klar ist jedoch auch, dass die inhaltliche Diskussion dieser Struktur stattfinden muss. „Bei uns geht das nicht“, ist kein Argument sondern lediglich das Signal für:“Wir wollen das nicht“.

Basisinfrastruktur ist die Grundlage:

Was brauchen Orte ab 800 Einwohnern an Infrastruktur, um eine Eigendynamik entwickeln zu können? Man könnte dies unter dem Titel Nahversorgung zusammenfassen:

  • Funktionierender öffentlicher Verkehr (oder privat organisierten Busverkehr!),

  • Dienstleister: Einkaufsmöglichkeiten, Bank, Versicherung, Arzt, Restaurant mit Räumlichkeiten für Dorfanlässe oder Vereinshaus mit entsprechender Infrastruktur.

  • Bildung/Kultur: Kita/Grundschule, oft auch angegliedert Vereinshaus, Vereinsleben

  • Perspektive: Diese kann im Bereiche Verarbeitung/Produktion, Tourismus, Dienstleister für umliegende Weiler liegen.

  • Flexibilität: Diese Mikro-Regionen können über eine Generation +/- 10% schrumpfen oder wachsen. Dies hängt mit Generationenwechseln (Häuser/Gewerbe etc.) zusammen. Grundsätzlich sind sie jedoch stabil, wie die Erfahrungen Österreichs zeigen.

Die Rolle des Staates, der Bundesländer

Es ist unbestritten, dass sich Investoren und Gewerbe an einem Orte nur ansiedeln, wenn sie auch eine Perspektive, ein Potential sehen. Dafür brauchen sie gewissermaßen eine planerische Garantie der öffentlichen Hand, was die Regionalentwicklung betrifft. Man könnte dies auch Wirtschaftsförderung in Mikro-Regionen nennen. Wie kann das aussehen?

walsertal2Beispiel Tourismus. (Viele Regionen Sachsen-Anhalts haben auch touristisches Potential)

  • Erarbeitung und Fortschreibung von Regional-Entwicklungskonzepten

  • Förderung nachhaltiger Infrastrukturen und Konzepte (z. B. nachhaltig= nicht nur Wintertourismus, sondern gleichzeitig Sommertourismus). Übertragbar auf Kulturtourismus, Biosphären-Reservate, Erlebnis-Urlaub für Familien, Sportliche Aktivitäten etc. und je mehr dieser Elemente sich konzeptionell verzahnen lassen, um so größer ist die Aussicht auf Erfolg.

  • „Klein“ denken: 100 Familien, welche 2 oder drei Gästezimmer oder eine Ferienwohnung anbieten können, bringen der Region und den Orten mehr, als ein zu 60% gefördertes Hotel mit 40 Zimmern. ( Profiteure: Geschäfte, Restaurants, Potential für weitere Dienstleister) Die Summe der Fördermittel bleibt dieselbe, deren Wirkung ist jedoch, auf den Ort bezogen, um ein Vielfaches nachhaltiger. Das Geld „dreht“ im Ort.

  • Zertifizierung von Regionen, aber auch Unterkünften, Vermarktung (in Kooperation mit den regionalen Organisationen)

  • Entscheidend ist nun, dass die einzelnen Regionen ihr eigenes Markenzeichen haben. „Dafür“ geht man ins Montafon, „dafür“ reist man ins Große Walsertal usw. Identische Labels aus benachbarten Regionen gefährden die Zukunft beider Regionen…

Die Kunst der Regionalplanung und der finanziellen Förderung besteht also darin, dass eine Talschaft oder eine Klein-Region sich mit einem griffigen Tourismusziel identifiziert. Unter diesem Dach wird gefördert, entwickeln die einzelnen Orte ihre eigenen Profile, mit Verweis auf die Zusatzangebote der Nachbargemeinden.

walsertal1Sicherlich, solche Prozesse laufen nie ohne Reibereien. Nur: Wenn man sich irgendwann auf die „großen Linien“ geeinigt hat, vom Lande auch Planungsgarantien und in bescheidenem Rahmen finanzielle Anreize kriegt, dann können ganz tolle Dinge entstehen. Hier eine Talschaft, welche diesen ganzen Prozess in den Jahren 1990 – 2010 durchlaufen hat. Klein angefangen, aber was daraus geworden ist, kann sich sehen lassen. Kurz und brillant auf einer Seite. Alles was interessieren könnte und Lust weckt, da mal hinzugehen: Herzlich willkommen im Großen Walsertal.

(3400 Einwohner, 6 Gemeinden und hier kann man sich über die Gemeinden und deren Bevölkerungsprofil informieren. Gemeinde einzeln anklicken.)

Was an diesem Regionalkonzept besticht, ist die Tatsache, dass das Geld zu einem großen Teil in dieser Talschaft dreht, damit auch einen sekundären Arbeitsmarkt bedient und natürlich wesentlich zur Erhaltung der Grundinfrastruktur und der Stabilität in den Orten beiträgt. Wo Arbeit ist, da lebt man.

Im nächsten Beitrag werde ich auf zwei Hauptakteure eingehen, welche mit ihren Geschäftsmodellen  bundesweit ganz entscheidend zu dieser Entwicklung beitragen. Auch darüber muss gesprochen werden

1 Kommentar auf “Stützung des ländlichen Raumes (1): Alternativen

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