Stell dir vor, es gibt Geld…

…und niemand will es haben! In Sachsen Anhalt geht es immer um irgendwas. Manchmal geht es um’s Ganze. Manchmal geht es um Geld, das eingespart werden muss, weil einfach zu wenig davon da ist. Und manchmal, ja, da geht es darum, dass man nicht weiß wohin mit den Fördermillionen aus Brüssel Das aber vorhandene Fördermittel nun gar keiner haben will, kommt selten vor.

fördertopf

 Feine Häppchen, die keiner will

„Es ist noch Suppe da!“, schallt es aus der Gerüchteküche in Sachsen Anhalt. Allerdings köchelt im prallen Töpfchen für die Förderung von Existenzgründern kein Süppchen, sondern eher eine stolze Summe von mehreren Millionen Euro, den anscheinend niemand haben will, vor sich hin. Angedacht ist der gewaltige Topf, der mit ursprünglich 88 Millionen Euro gefüllt war für die Fortbildung von Existenzgründern zur Aneignung von Unternehmer- und Gründungswissen.

Mit Fördergeldern, vor allem jenen aus der EU, ist es wie mit einem Designerkleid aus Italien. Es macht erst mal was her, sieht cool aus und ist leicht zu haben. Zudem schont es den eigenen Geldbeutel. Bei genauer Betrachtung hat man aber eh die falsche Größe bestellt und das tolle Ding passt hinten und vorn nicht. Weil so ein Kleid aber eine feine Sache ist, ein „MUST HAVE“ sozusagen, hängt man es in den Schrank und wartet ab, ob man nicht vielleicht irgendwann hineinwächst, im Falle eines Kleids in italienischer Größe wohl eher (hinein)schrumpft.

Am Ende bleibt ein bitterer Beigeschmack und man stellt sich berechtigterweise immer wieder die gleiche Frage: „ Warum nur nähen die Italiener so verdammt enge Kleider?“

Sind wir doch das Land der Ahnungslosen?

Natürlich liegen Fördermillionen nicht in irgendwelchen Kleiderschränken, bis der Bedarf für sie gewachsen ist, aber so ähnlich könnte es abgelaufen sein. Geht man von den Vorwürfen aus, die der Landesregierung bezüglich dieses Themas gemacht werden, so könnte man schon annehmen, dass niemand etwas beantragen kann, von dessen Existenz er nichts wusste. Dies zumindest stellt laut unserer Tageszeitung, der Volksstimme, Frank Thiel (Die Linke) fest. Indem er mit der Aussage „ Nun fehlen Ansprechpartner vor Ort, um Gründern durch den Fördergelddschungel zu helfen.“, nicht nur die Kürzungen der Landesregierung für die Mittel zur Existenzgründerberatung kritisiert, sondern auch das eigenständige Denkvermögen der Unternehmensgründer im Lande der Frühaufsteher in Frage stellt.

Selber Schuld!

Was hätten wir für eine Landesregierung, wenn nicht auch die Koalitionskollegen von SPD und CDU nicht längst gewusst hätten, woran der spärliche Abruf der vorhandenen Fördergelder aus Brüssel denn nun scheitere. Unerklärlich bleibt hingegen, warum sie es dem Herrn Möllring, als zuständigen Wirtschaftsminister, nicht schon längst mitgeteilt hatten? Ob der Wirtschaftsminister allerdings an den unüberlegt geschaffenen Tatsachen innerhalb der Ministerien so schnell hätte allerdings etwas ändern können?

Die Regierung hat bei der Umorganisation der Ministerien geschlafen. Die mit der Qualifizierung von Existenzgründern befassten Fachbeamten wurden ins Sozialministerium versetzt – das Förderprogramm aber blieb beim Wirtschaftsministerium.“, verrät Jens Schmidt in der Volksstimme vom 25.06.2014.

 

Am Ende bleibt auch hier ein bitterer Beigeschmack und die Frage: Warum will diese Millionen keiner haben?

 

Auf den Punkt bringt dies Dr. Lydia Hüskens (FDP), indem sie kurz und bündig feststellt, dass ein Existenzgründer in der bereits angelaufenen Gründungsphase und den ersten Geschäftsjahren schlichtweg keine Zeit hat, sich auf eine Schulbank zu setzen. „Das ist gut gemeint, aber nicht gut gemacht.“ wird sie zitiert und erkennt damit zumindest den guten Willen der „Brüsseler (Förder)Programmdirektoren“ an, die Förderungen derart am Bedarf vorbei planen, dass man meinen könnte, sie würden das gute EU-Geld am liebsten sowieso nicht hergeben wollen.

Als Bürger stellt sich mir da jetzt die Frage: Warum sagt denen in Brüssel niemand, dass solche festgebundenen Fördermittel, wenn sie niemand oder kaum jemand nutzen kann, Unsinn sind?

Die Antwort ist einfach: Weil Geld bekanntlich nicht stinkt und natürlich auch die Landesregierung Sachsen Anhalts gern nimmt, was sie kriegen kann. Gebrauchen kann man soviel Geld ja schließlich immer. So ist es nicht verwunderlich, dass dem Wirtschaftsminister jetzt mächtig Dampf gemacht wird. Seine Aufgabe wird es sein, dafür Sorge zu tragen, dass Sachsen Anhalt bis zum Ende des Jahres 2015 die noch vorhandenen Fördermittel restlos abrufen kann. Ob eigens dafür nun Zwangsverpflichtungen für Existenzgründer ersonnen werden, damit diese ihr Wissen aufbessern, bleibt abzuwarten. Zu hoffen bleibt, dass nicht Geld, welches wir nicht haben, in teure Werbekampagnen investiert wird, um Geld zu erhalten, welches eigentlich keiner brauchte.

mitmachen

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*