Nahversorgung: Tante Emma macht sich chic – oh la la!

dorfladen 1   Nicht schon wieder so ein nostalgischer Beitrag, bitte! Das mögen sich Einige beim Lesen des Titels gedacht haben. Kein Wunder, angesichts  der Tatsache, dass der tägliche Einkauf oder der wöchentliche Groß-Shoppingtag in Supermärkten stattfindet.

Wer hingegen ab und an mit offenen Augen über Land fährt, ist den neuen Emmas möglicherweise schon begegnet .  Schick sind sie, nicht selten am Eingang mit einer EU – Plakette versehen, und wer dann dort eintritt, staunt über das, was alles auf kleinem Raum angeboten wird.

Da sind sie, die neuen Emmas:

  • Ladenfläche 80 – 200 m2, Vollsortiment zu Preisen, welche sich nur unwesentlich von Discountern unterscheiden.
  • Nichtverderbliche Waren 2 x wöchentlich angeliefert. Produkteauswahl aus einem Sortiment von über 20 000 Artikeln. Aktionen, welche mit jedem Discounter mitzuhalten vermögen. Online-Lagerbewirtschaftung und darauf aufbauend dauernde Dorfladen3Sortimentsverbesserungsvorschläge durch Zentrallieferant.
  • Frisch- und Regionalprodukte aus der unmittelbaren Region, Bäcker, Fleischer, Gemüse, Honig, weitere Spezialitäten etc. Damit erschließem sich auch für die diese Produzenten neue geschäftliche Perspektiven.
  • Geschenkkörbe mit Regionalprodukten auf Bestellung
  • Cafe-Ecke, Bistro 20-50 m2, Treffpunkt mit Kuchen,  Getränken, Snacks, aucDorfladen06h genutzt für kleine Zusammenkünfte. Garten- Vorplatz-Cafe für Sommermonate. Eis.
  • Was sie sonst noch können
  • Hauslieferservice, Spezialbestellung
  • Post-Annahme-Stelle, Lotto-Totto
  • Annahmestelle Kleider-Reinigung, Foto-Service
  • Ausmietung Reinigungsgeräte
  • Kundenshuttle für ältere Mitbürger aus der nahen Umgebung
  • Gesundheitsterminal/Scanner – Rezepte einlösen; Medikamente bestellen.
  • Bei ausreichenden Räumlichkeiten: Multifunktioneller Raum für (mobile) Hausarztsprechstunde, Sozial-Beratung, Sitzungszimmer  etc., vielfach in Zusammenarbeit mit der Kommune.

Träger

  • Existenzgründer
  • Dorfgemeinschaften mit Anteilskapital, Träger-/Fördervereine
  • Kommunen/Eigentümer welche geeignete Objekte zu Vorzugskonditionen bereitstellen
  • EU- Leader-Programm als Start-Hilfe und energetische Sanierung/Photovoltaik

Drehscheibe „größter Supermarkt im kleinsten Dorf“

Mit diesem Slogan ziert sich eine dieser neuen Emmas. Aufgebaut in einem Dorf mit etwas mehr als 500 Einwohnern und inzwischen einem Jahresumsatz von über 260 000 € aus dem Kerngeschäft. Genossenschaftlich organisiert, getragen von vielen Freiwilligen, unterstützt aber  auch von den kommunalen und regionalen Behörden.

Als besonders trag- und leistungsfähig erweist sich dabei das Emma-Modell „Von Bürgerndorfladen2
für Bürger“. Über 50 solcher Läden sind in den letzten Jahren bundesweit alleine mit dieser Trägerschaft entstanden. In Bayern gibt es sogar ein hochkarätiges Beratungsinstitut, welches solche Projekte  mit den Interessierten entwickelt und begleitet. So erstaunt auch die bundesweite Verteilung dieser neuen Emma-Läden nicht.

  • Bayern 25 Läden
  • Niedersachsen 7
  • Schleswig-Holstein 1
  • NRW  7
  • Baden-Württemberg 6
  • Hessen 1
  • Rheinland-Pfalz 1
  • Sachsen 2
  • Sachsen-Anhalt: Eine dicke,fette NULL

Wieder diese Bayern

Ja, wer den ländlichen Raum nicht in einzelne Kostenfaktoren mit vermeintlichem Sparpotential zerlegt und mit der Sparpotential-Brille analysiert, sondern als wirtschaftliche Gesamtheit begreift, kommt eben auch zu anderen Erkenntnissen.

Wer zum Ergebnis gekommen ist, dass der Erhalt der ländlichen Struktur und Lebensqualität ein Zukunftsfaktor ist, der gibt kleinen Dorfschulen mit mehr als 26 Kindern  Bestandsgarantie, den Dörfern eine Zukunftsperspektive.

Er erkennt, dass aber noch mehr dazu gehört und unterstützt mit allen, der Politik zur Verfügung stehenden Mitteln die Schaffung einer örtlichen Nahversorgungs-Infrastruktur. Dazu gehört auch der gute, alte Tante Emma- Laden. Neu getunt als Begegnungsstätte mit Einkaufsmöglichkeit und einem hohen Beteiligungsgrad der Betroffenen. Emma2 – next generation.

Wo der Staat aktiv wird, mitmacht, mitdenkt, fällt die Saat auf fruchtbaren Boden. Planung und Gewährleistung der gleichwertigen Versorgung ist Aufgabe des Staates. Bayern wurde aktiv und ermöglichte: Schule der Dorf- und Landentwicklung Tierhaupten, http://www.sdl-thierhaupten.de//

Mit diesen Errungenschaften lässt sich wiederum Standortmarketing machen. Familien mit Kindern? Bitteschön: Schule da, Nahversorger da, öffentlicher Verkehr läuft. Willkommen!

Dieses aktive Struktur-Management ist in Sachsen-Anhalt bitter nötig. Es ist der Gegenentwurf zum vorausgreifenden Strukturabbau angesichts demographischer Ängste.

 Neugierig auf viele, viele schicke Dorfläden?   http://dorfladen-netzwerk.de/dorflaeden-in-deutschland/

Zu diesem Thema auch:

1) Blick in die Zukunft  http://perspektive-lsa.de/blick-in-die-zukunft/

2) Naturgesetze http://perspektive-lsa.de/naturgesetze/

3) Nahversorgung: Wenn Politik erpressbar wird.  http://perspektive-lsa.de/nahversorgung-wenn-politik-erpressbar-wird/

 

2 commenti su “Nahversorgung: Tante Emma macht sich chic – oh la la!

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