Kunst und Kultur in der Gesellschaft

Sind wir noch ein Kulturvolk das als Mäzen selbstbewußt auftritt? Oder sind wir dekadent und ruhen uns auf unserer Vergangenheit aus?

säulen3Diese Frage vorausgeschickt einige Betrachtungen zur Kunst und ihrer Rolle in der Gesellschaft: Was ist Kunst? Im täglichen Leben begegnet man dem Begriff nahezu ausschließlich im Zusammenhang mit Musik oder Malerei. Eine Beschränkung allein auf diese beiden Themen ist aber viel zu kurz gegriffen. Um die Kunst wenigstens einigermaßen vollständig zu umreißen, muß man sich vergegenwärtigen, woher die Kunst entspringt.

Kunst als Motor der Menschheit

Nach unserem Kenntnisstand hat die Kunst damit begonnen, daß Menschen an Höhlenwänden Auszüge ihres Alltages dargestellt haben. Diese Funktion hat die Kunst in Form von Malerei, Fotografie und Filmerei bis heute inne. Sie konserviert aktuelle Gegebenheiten für zukünftige Generationen. Sie ist unser „Geschichtsbuch“.

In gleicher Weise trifft das auch auf Tonaufzeichnungen zu. Nun ist diese Technik vergleichsweise jung. Dennoch dient sie der Konservierung des Jetzt für die Zukunft. Dabei nehmen Orchester – deren Repertoire wir allgemein als „E-Musik“ bezeichnen – oder jede x-beliebige Band – die so genannte „U-Musik“ – eine besondere Rolle ein. Ihre „Tonkonserve“ ist in jeder Beziehung lebendig. Sie nehmen auf anderem Niveau den Platz des Geschichtenerzählers ein. Auch Geschichten zu erzählen ist eine Kunstform. Seit jeher handelte es sich um eine Form der Nachrichtenverbreitung. Menschen die Geschichten so erzählen konnten, daß ihre Zuhörer gefesselt wurden, waren auch Künstler. Nicht umsonst war der „Minnesang“ im Mittelalter eine der sieben Künste.

In früherer Zeit war jeder gute Handwerker ebenfalls ein Künstler. Die Bildhauerei ging von den Steinmetzen aus. Tischler, Drechsler und Zimmermänner schnitzen. Diesen „technischen Künsten“ war gemeinsam, daß sie ganz profane Funktionselemente so gestalteten, daß sie beim Nutzer Gefühle auslösten. Eine Aufgabe die in heutiger Zeit von Designern wahrgenommen wird. Auch diese Kunstform ist eine lebendige Konservierung des jeweiligen Zeitgeistes. Frei nach dem Motto: „Gemacht wird was gefällt.“

Kunst bildet – Auch Meinungen!

All den Künsten ist gemein, daß sie mit den Gefühlen der Betrachter bzw. Nutzer „jonglieren“. Allen ist gemeinsam, daß sie den gesellschaftlichen Zustand konservieren. Allen gemein ist aber auch, daß sie stets innovativ waren und sind.

Hier kommt man nun zum konkreten Menschen der als Künstler bezeichnet wird. Gemeinhin wird ein Künstler mit einem Virtuosen gleich gesetzt. Dieses Gleichnis ist zwar überzogen, es weist jedoch auf die zweite „Funktion“ der Kunst in der Gesellschaft hin. Ein Virtuose ist ein Mensch, der sein jeweiliges Gebiet bis zur Perfektion beherrscht. Wenn dieser Mensch darüber hinaus auch noch andere Wissensgebiete oder Fetigkeiten hat und ist er dazu noch einigermaßen kreativ, schafft dieser Mensch aktiv Fortschritt. Auch Innovation war zu jeder Zeit ein Produkt der Kunst. Man kann auch sagen, Innovation ist Kunst. Sei es bei den „klassischen Künsten“ die Maltechniken. Sei es allgemein in der bildenden Kunst die Darstellungsweise der Welt. Oder seien es neue Handwerkstechniken – heute die „Ingenieurskunst“ – die ein filigraneres Arbeiten erlaubten.

Es kann also gefolgert werden, daß Künstler unser Gedächtnis und gleichzeitig unser Fortschrittsmotor sind. Ein Künstler ist überdies immer ein Mensch, der aus der Masse durch seine Fähigkeiten herausragt. Ein Künstler ist jemand, der nicht mit den Strom schwimmt. Kurz und polemisch: Ein Künstler ist ein Querulant.

Bleibt die Frage nach Kultur. Nebst einigen anderen, weniger wichtigen Bedeutungen ist die Kultur die Fähigkeit einer Gesellschaft Innovation hervorzubringen. Eigentlich recht simpel oder?

Aus all dem heraus müssen wir uns jeden Tag wieder die Frage stellen, ob wir diesen oder jenen „irgendwie bizarren“ Mitmenschen tatsächlich „disziplinieren“ sollen. Sicher, wer der Gesellschaft schadet sollte ein Problem mit ihr bekommen. Aber eben auch Künstler sind „irgendwie bizarr“. Sie sind die Träger der Innovation in der Gesellschaft. Sie sind gleichsam ihr Rückgrat. Sie dürfen nicht „diszipliniert“ werden. Eine Gesellschaft die das tut, ist eine Kulturlose.

Und nun möge sich jeder fragen wie kulturvoll er ist. Ist er oder sie bereit „bizarre Menschen“ zu hinterfragen und solange es keinem schadet „machen zu lassen“? Oder will er oder sie lieber aus Bequemlichkeit diese Menschen in seinem oder ihrem Sinn disziplinieren? Darf unser Bundesland bzw. die Bundesrepublik im Allgemeinen Kunst und Wissenschaft „disziplinieren“, indem unsinnige, wirtschaftliche Maßstäbe angelegt werden? Oder verstehen wir als Bürger, daß diese Dinge kreativen Freiraum brauchen und eben auch Geld kosten?

 

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