Der Mauerfall und die Politik heute

berlin-mauerAus aktuellem Anlass: Seit mehreren Wochen legen sich die verschiedensten Parteien und Persönlichkeiten ins Zeug, als würde ihnen das Dach über dem Kopf einstürzen. Es geht um Fragen wie Recht und Unrecht, um die schicksalshafte Entscheidung, ob Thüringen einen Linken Ministerpräsidenten kriegt oder nicht und ob damit gleich alte DDR-Mechanismen Einzug halten würden usw. usw.

Wenn selbst der Bundestag Plattform für Polit-Bashing wird, muss es ja furchtbar um den Zustand der Nation stehen, welche vor 25 Jahren ohne Waffengewalt wieder vereint wurde. Was droht denn, dass Politiker gerade in Sachsen-Anhalt nicht müde werden, die Rolle der Schule im „korrekten Vermitteln“ der DDR-Zeit anzumahnen? Was hat es auf sich mit Forderungen, dieses „es war nicht alles schlecht“ zu ächten?

Betrachten wir den neuesten Monitor zum Thema, eine Grafik aus der Volksstimme:

Quelle Volksstimme

Die überwältigende Mehrheit will ganz klar keine Rückkehr zum DDR-Sozialismus, obwohl es dort Dinge gab, welche sie heute vermissen. Die restlichen Äußerungen: Sind sie derart bedrohlich für den Rechtsstaat, dass wir uns seit Monaten einer derartigen politischen Inszenierung zu unterwerfen haben?

Angesichts der Tagesberichterstattung müsste man meinen, es gäbe da viel Wichtigeres, welches ganz zuoberst auf die politische Agenda Sachsen-Anhalts gehört.

Die ganze Aufregung nur ein Ablenkungsmanöver?

Sparkassenskandal, SPD-Postenhuberei, CDU-Filz, EU-Rügen, Landesrechnungshof kündigt Untersuchungen an, usw. usw.

Wäre es nicht an der Zeit, sich mit solchen Themen auseinanderzusetzen? Hier steht doch die Glaubwürdigkeit der ganzen Regierung auf dem Prüfstand. Genau in dieser Frage entscheidet sich doch auch, ob Befragte das HEUTE besser einschätzen als das GESTERN.

Eine weitere Frage, welche Politiker vorrangig zu beantworten hätten ist: Wie kommt es, dass 25 Jahre nach der Wiedervereinigung in diesem Lande weiterhin die Diskussion Abbau oder Aufbau des Landes ein zentrales Thema für hier Geborene, aber auch neue Zugezogene ist?

Ein Jubiläum ja – aber kein Grund zur Selbstinszenierung!

Zu viele, welche sich jetzt in den Vordergrund schieben, sich wichtig machen, sind im Grunde genommen Trittbrettfahrer. Dazu gehören auch verfälschende Darstellungen wie :… Ende Oktober 1989 wurde unsere Partei in der DDR gegründet, was wesentlich zur Wende beigetragen hat.  DAS ist Geschichtsklitterung und wird sehr wohl durchschaut.

Ein Tag zum Feiern, ganz klar. Ein Tag des Respektes vor all jenen Menschen, welche damals zu dieser Entwicklung beigetragen haben. Menschen auf den Straßen, aber auch Politiker mit Visionen und Geduld. Der Zustand deren Parteien damals und das, was wir heute als Parteilandschaft vorfinden, haben aber nichts mehr miteinander zu tun – mal vom Namen abgesehen.

Parteien, welche sich über Monate nur noch mit den Lorbeeren ihrer Vor-Vorgänger schmücken, ohne selbst zu erkennen, was HEUTE die Zeichen der Zeit wären,  sind eigentlich über kurz oder lang zum Scheitern verurteilt. Das gilt  ganz besonders für Sachsen-Anhalt.

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