Ausgehöhlte Demokratie – ein erschütterndes Dokument

frustDieses Land ist überzogen mit einer unglaublichen Dichte von zivilen und berufsspezifischen Räten und rühmt sich, Mitsprache und somit Demokratie von ganz unten nach oben zu ermöglichen.

Kultur, Bildung, Wissenschaft: Wer vermag sie zu zählen, all die Beiräte und Vertretungen. Was haben sie eigentlich zu bestellen? Welches sind neben dem so genannten Recht auf Anhörung weitere Mittel, welche ihnen zur Verfügung stehen, ohne dass sie mit Ergreifen derselben gleich auch ihren Job riskieren (s. Bauhaus, Anhaltinisches Theater Dessau, Ex- Ministerin Brigitta Wolff)?

Alibi-Mitsprache im Schosse der Politik?

Wie viele dieser „Standesvertretungen“, vor allem aber auch Schüler- und Elternräte aus dem Bereiche Bildung beklagen sich darüber, dass sie sich nicht gehört und nicht ernst genommen als Marionetten fühlen.

Wenn sich Politik mit dem Brecheisen in die Schlüsselbereiche von Kultur, Wissenschaft und Bildung einmischt und die eigentlich dafür zuständigen Gremien zu Statisten und Handlangern degradiert, wird es gefährlich. Die Folgen sind: Resignation, Rückzug, ein sich schleichend ausbreitendes politisches Vakuum. Dieses hindert das Land, sich dynamisch positiv weiter zu entwickeln.

Kultur, welche sich nur noch geduldet fühlt, Wissenschaft welche nur noch um Verhinderung von Abbau kämpft, Auflösung ortsnaher Grundschulversorgung, alles unter dem Diktat eines zweifelhaften Finanzgutachtens, unreflektiert auf den Weg gebracht durch eine Landesregierung.

Darauf kann kein Selbstwertgefühl, keine Dynamik entstehen. Genau das aber würde Sachsen-Anhalt dringend brauchen. Stattdessen verlieren wir reihenweise hervorragende Köpfe und Persönlichkeiten. Hier ein weiterer solcher Verlust, verfolgt auf facebook und mit Einverständnis des Betroffenen hierher gezogen. Kein weiterer Kommentar.

Ein Rücktritt mehr

„Heute habe ich meinen Rücktritt als Vorsitzender und Mitglied des Orchestervorstandes der Staatskapelle Halle erklärt. Ich habe erkannt, dass ich nichts mehr bewegen kann und ziehe die einzig mögliche Konsequenz. Ich danke allen, die mir in den letzten 10 Jahren ihr Vertrauen geschenkt haben und die mich unterstützt haben“. Frank Hirschinger

Lieber Frank Hirschinger, mir ist sehr bewußt, wie Du für das Orchester und die Kultur in unserer Stadt gekämpft hast. Ich habe sogar Verständnis für soeinen radikalen Schritt. Es ist dann nur schade, dass Du nichts mehr bewirken kannst. Ich kenne das aus eigener schmerzlicher Erfahrung. Erst nach Jahren ist ein Einstieg wieder möglich , oder gar nicht. Auch ich bin von der Haltung von verschiedenen Verantwortungsträgern enttäuscht. Halten sie doch meist noch an alten Machtstrukturen fest und sehen nicht, dass heute eine andere Zeit angebrochen ist, wo Anderes wichtiger ist.

Danke für Deine Worte, ……..! Ich habe einfach einsehen müssen, dass Engagement und gute Argumente seit Jahren völlig wirkungslos bleiben. Auch will ich nicht länger Statist bei diversen kulturpolitischen Entscheidungen sein, wo doch immer die anderen die Strippen ziehen und entscheiden.“

Wer soll denn jetzt in Ihre Fußstapfen treten?

„Es ist eigentlich egal, wer in meine Fußstapfen tritt oder ob es überhaupt jemand tut. Lohnt es sich? Wer so oft und mit solch brutaler Genüsslichkeit die eigene Machtlosigkeit vorgeführt bekommt, wie mir das seit Jahren passiert, sollte realistisch sein und zurücktreten. Das habe ich getan. Sollen doch diejenigen, die die Macht haben, ihre Entscheidungen treffen, wie sie das ohnehin tun. Warum dafür auch noch das demokratische Feigenblättchen abgeben? Es ist ohnehin sinnlos. Ich weiß, das ist sehr resignativ. Vor einigen Jahren hätte ich solche Gedanken zurückgewiesen. Aber man lernt dazu!“

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